Denkmäler in der Siedlung Löwental

In der Siedlung Löwenmal gibt es auch zwei Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Diese Denkmäler sind die beiden Kirchen. Zum einen die 1957/58 erbaute evangelische Erlösekirche und die 1960 errichtete katholische Kirche Zum Guten Hirten. 2007 gab es am Tag des offenen Denkmals einen gemeinsamen Gottesdienst und nachmittags Führungen durch beide Kirchen. 

Die Erlöserkirche:
Bereits 1952 wurde das Gemeindehaus mit Kindergarten, Kindergärtnerinnenwohnung, Diakonissenstation und vorläufiger Wohnung für den Vikar eingeweiht. Hier war Dipl.-Ing. Hefele aus Friedrichshafen ausführender Architekt, genauso wie beim Pfarrhaus, welches am 6.11.1957 bezogen wurde. Die Erlöserkirche wurde am 1.6.1958 durch Prälat Eichele eingeweiht. Der Baubeginn war am 8.4.1957 , das Richtfest bereits am 29.8.1957. Architekt war Prof. W. Tiedje aus Stuttgart.
Ein wegen des nahen Flugplatzes nicht zu hohen Turms, stellt sich schützend vor die Kirche, als wolle er alle Böse abwehren. Dahinter der massige Block des Kirchenschiffes, nach Norden nur mit kleinen Fenstern versehen, dafür nach Süden mit um so mehr Fenstern und Fensterbändern.
In der Kirche fällt der Blick auf das Kreuz aus Eisen – als Verbindung zu Friedrichshafen als Industriestadt. Das Kreuz ist die Mitte der Kirche und wird unsichtbar durch ein Fensterband beleuchtet. Der fast quadratische Grundriss hat eine klare innere Gliederung in fünf Ebenen: Altarraum, Orgelempore (darunter die Sakristei), Seitenempore, Kirchenschiff und die eigentliche Empore, die durch den Turm erreicht wird. Die Kirche bietet 450 Sitzplätze.

Die 12 bunten Fenster, gestaltet vom Glasmaler Bernhard, verdienen eine besondere Erwähnung. Sie stellen das Kirchenjahr dar:
Zuerst die obere Reihe von links nach rechts – 1. Advent, 2. Advent, 3. Advent, 4. Advent, dann die untere Reihe von links nach rechts – Christfest, Erscheinungsfest, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Reformationsfest. Das Fensterband im Hauptportal zeigt das Glaubensbekenntnis.
Die 4 Glocken wurden am 16.1.1959 bei der Firma Kurtz in Stuttgart gegossen und am 1.3.1959 feierlich in Dienst gestellt. Die vier Glocken umfassen die Töne „f“, „g“, „b“ und „c“. Diese Töne bilden den Anfang des Liedes: „Christ ist erstanden von der Marter alle“.
Die Osterglocke mit dem Ton „f“ wiegt ca. 17,5 Zentner und hat die Inschrift „Christ ist erstanden von der Marter alle“
Die Betglocke (Ton „g“) hat ein Gewicht von ca. 12,5 Zentner. Ihre Inschrift lautet: „Mein Herr und mein Gott!“.
Die Kreuz- und Schiedglocke mit ca. 7 Zentner und dem Ton „b“ hat die Inschrift: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!“.
Die Taufglocke als kleinste Glocke hat noch ca. 5 Zentner und bildet den Ton „c“ ab. Hier lautet die Inschrift: „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden“.

Kirche Zum Guten Hirten:
Es war schon lange ein Wunsch der katholischen Siedler, in der Siedlung eine katholische Kirche zu errichten. Es war ein langer Weg zur heiligen Messe nach St. Petrus Canisius zu gehen. 1956 schrieb die Vorstandschaft der Siedlung an den Bischof vom Rottenburg, Carl Joseph Leiprecht mit der Bitte um Unterstützung. Auch der Gesamt-Kirchenstiftungsrat unterstützte die Bemühungen. So war dann der 2. Mai 1960 Baubeginn der Kirche und des Pfarrhauses. Benediziert wurde die Kirche Zum guten Hirten am 24.12.1961, konsekriert am 12./13.5.1962.
Ein Zitat des Architekten Wilfried Beck-Erlang aus der Festschrift „40 Jahre Zum Guten Hirten: „Als damals Stadtpfarrer Mohr und sein Nachfolger Stadtpfarrer Heda gemeinsam mit Herrn Eble vom Kirchenstiftungsrat meinen neuartigen Kuppelvorschlag für die neue Kirche zustimmten, war dies ein mutiger Schritt. Ich konnte mit dem Argument überzeugen, dass der Schalenbau wie zwei behütende Hände übereinander Geborgenheit und Zuflucht im hektischen Leben bieten würden.“

Als reiner Betonbau gedacht wurde später die Hülle mit einer Kupferverkleidung versehen, so wie man die Kirche heute kennt. Der Innenraum wurde ebenfalls vom Architekten gestaltet – der Altar steht frei. Er ist von „wuchtig gedrungener Einfachheit“. Er ist aus blaugrauem Muschelkalk. In der Kirche finden sich 550 Plätze. Der Tabernakel ist von S. Baumhauer aus Schwäbisch Gmünd gestaltet. Er passt sich der Horizontalen des Altars an. Die schweren Metalltüren wurden von E. Hauser aus Dunningen bei Rotteil geschaffen. Der Tabernakel ist verziert mit Bildfeldern, die dem Thema Christus als der gute Hirte gewidmet ist. Ebenfalls von Baumhauer geschaffen ist ein Vortragskreuz, das hinter dem Altar aufgestellt war. Es sollte durch ein eigenes, für die Kirche gearbeitetes grosses Kruzifix abgelöst werden. Momentan hängt allerdings ein altertümliches Holzkreuz, das der Kirche gespendet wurde über dem Tabernakel.
Eine Besonderheit ist ein Bildteppich, der von HAP Grieshaber entworfen wurde.
Bis 1987 war im Innenraum noch eine holzverkleidete Kanzel und ein Seitenaltar vorhanden. Dieser wurde von Josef Habel in den heutigen Ambo umgestaltet.

In der Turmschale, die nur über einen Aussenzugang zugänglich ist, hängen 4 Glocken. Die vier Glocken wurden in der Gießerei Engelbert Gebhard in Kempten gegossen. Der Guss war am 27. Oktober 1961, geweiht wurden sie am 27. November des gleichen Jahres. 
Die e-Glocke wiegt 1200 kg und ist dem Guten Hirten geweiht. Sie trägt die Inschrift: „ET VOCEM MEAM AUDIENT“ („Sie werden meine Stimme hören.“)
Die g-Glocke wiegt 600 kg und ist der Gottesmutter Maria geweiht mit der Inschrift: „ANGELUS DOMINI NUNTIAVIT MARIAE“ („Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“)
Die a-Glocke wiegt 420 kg und hat eine Inschrift, die an den Stadtpfarrer Valentin Mohr erinnert, der sich für den Bau der Kirche stark gemacht hat: „SANCTE VALENTINE ORA PRO NOBIS“ („Heiliger Valentin, bitt für uns“)
Die h-Glocke wiegt 290 kg. Als Totenglocke ist sie dem heiligen Josef geweiht mit der Inschrift: „SANCTE JOSEF ORA PRO NOBIS IN HORA MORTIS NOSTRAE“ („Heiliger Josef, bitt für uns in der Stunde unseres Todes“)
Die alte Orgel wurde im Herbst 1996 verschenkt, sie wurde 1997 in Kaliningrad in der Kirche „Maria Heimsuchung“ aufgestellt. Seit 1997 steht im Guten Hirten eine neue Weber-Orgel, die am 19. Oktober 1997 durch Dekan Scheffold geweiht wurde.
2010 wurde die Kirche zum Guten Hirten unter strengen Auflagen des Denkmalschutzamtes renoviert. Der Fussboden wurde vollständig erneuert. Zudem wurde ein Werktagsaltar eingerichtet an früheren Platz des Taufbeckens. Das Taufbecken wurde an den Eingang zwischen die Sitzreihen versetzt. Es wurde wieder das, bereits weiter oben angesproche, Kreuz wieder aufgehängt.
Am 3. Oktober 2010 war die feierliche Wiedereröffnung der Kirche zum Guten Hirten.

Ein trauriges Geschehen ereignete sich am 15. Juli 1972. Ein kleines Sportflugzeug aus Stuttgart stürzte beim Landeanflug auf die Kirche Zum Guten Hirten und ging in Flammen auf. Die Pilot und die beiden Passagiere kamen bei dem Unglück leider ums Leben. Durch die Beschädigung, die der Absturz anrichtete, konnte die Kirche fünf Monate nicht benutzt werden.

Quellen:
– Festschrift: Zur Weihe der katholischen Kirche Der Gute Hirte in Friedrichshafen-Nord
– Festschrift: 40 Jahre Zum Guten Hirten
– Festschrift: Stadt Friedrichshafen – 50 Jahre Siedlung Löwental
– Broschüre zur Erlöserkirche – undatiert
– Kirchen in Friedrichshafen . Geschichte und Kunst, Verlag Robert Gessler 1989 

Wer noch etwas über das aktuelle Geschehen in den beiden Gemeinden wissen will sei auf die jeweilige Homepage verwiesen:
Homepage der Gemeinde Zum Guten Hirten
Homepage der Erlöserkirche